Michael

 

      Haller

 

 

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"HALBE WELT

Andere Städte sehen so sehr nach sich selber aus. Sie geben es nie zu, aber im Grunde wollen sie, dass du genauso wirst wie sie. Ein Münchner oder ein Dresdener oder ... Berlin ist es egal, wie du bist. Ob du überhaupt da bist. Ob du bald wieder gehst. Darum ist Berlin vielleicht der einzige Ort in Deutschland, wo man als Nicht-Berliner wirklich leben kann. Eine wunderbare terra incognita. Natürlich ist Berlin auch ein bisschen hässlich, aber wer ist das nicht? Große Städte haben es nicht nötig, schön zu sein.

Auch sind Städte mit nur einer Geschichte, mit nur einer Mitte, unglaublich trivial. Zwei sollten es mindestens sein, das ist demokratischer. Du sollst keine andere Mitte haben neben mir? Viele finden, die eine Mitte sei viel mittiger geworden als die andere. Aber das macht nichts. Es ist gut fürs Gleichgewicht. Man kann so immer in die andere ausweichen. Traditionell sind alle Berliner Halbberliner. In manchen Straßen, manchen Kneipen, manchen Kinos der einst so anderen Hälfte hat man das Gefühl, man kenne sie schon immer. Kerstin Decker"

 

aus: Im Transit- Ost oder West, Metropole oder Provinz – was ist das für eine Stadt? Zehn Wahrheiten über Berlin.

In: Der Tagesspiegel - Ausgabe vom 5.3.2006


 

 

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